Die geschichtliche Entwicklung des Polizeihundwesens Gründungsprotokoll des:
"Saarländischer Verband für Gebrauchshunde aller Rassen"

    

Die geschichtliche Entwicklung des Polizeihundwesens
(Dieser Abschnitt gehört zur Schulung Sachkundenachweis)

In diesem Thema liegt zwar eine Gefahr zu langweilen  doch ich bin der Meinung, dass man ruhig mal etwas aber dieses Thema gehört haben sollte.

Man kann hierüber in den Archiven von Schwelm, Wuppertal und Solingen, in der Gegend also, wo der Polizeihundgedanke für Deutschland zuerst Fuß gefasst hat, etwas nachlesen.

Erste Veröffentlichungen zum Polizeidiensthundwesen sind seinerzeit durch den Begründer der Zeitschrift "Die Polizei - der Polizeihund - der Gendarm", dem Ehrenmitglied des erst später gegründeten, "Vereins  zur Förderung der Zucht und Verwendung von Polizeihunden (PHV)", Henn Direktor Robert Gersbach gemacht worden, der sich gleich zu Anfang, etwa um die Jahrhundertwende, der Polizeihundsache verschrieben hatte.

Gersbach hatte schon 1908 das Dressurbuch für Polizeihunde herausgegeben, in dem er präzise, bis ins einzelne gehende Abrichtemethoden beschrieb, die zum größten Teil noch heute angewendet werden.

Nicht aus Liebhaberei gesellte sich der Mensch dem Hund zu, sondern sein Selbsterhaltungstrieb bestimmte ihn dazu.

Um sich der Angriffe seiner Umwelt zu erwehren und um sich seine Umgebung untertan zu machen, fand er im Hund einen Gehilfen der geeignet war ihn den Menschen in seinen Fähigkeiten zu ergänzen. 

Der Hund mit seiner feinen Nase, seinem hervorragenden Gehör, seiner Schnelligkeit und seiner Wehrhaftigkeit, war das Wesen, das der Mensch brauchte. Er war schnell ein unentbehrlicher Genosse.

Schon auf ägyptischen Denkmälern, die vor mehr als 3000 Jahren vor Chr. errichtet worden waren, kann man Hunde verschiedener Rassen sehen. Ehe die Erfindung des Schießpulvers die Taktik der Kriegsführung grundlegend veränderte, wurden Hunde im Anfallen des Feindes trainiert.

Der reine Polizeihund, d.h. ein Hund, der dazu ausgebildet ist, mit seinen feinen Sinnen dem ihn führenden Polizeibeamten zu dienen, damit dieser im Interesse der Öffentlichen Sicherheit vollkommenere Dienste leisten kann, dieser Polizeihund ist erst eine Errungenschaft des 20. Jahrhundert

Erste Anregungen zu seiner Einführung gab der bekannte Kriminalist Prof.Dr. Hans Groß, seinerzeit tätig in Prag an der Universität, in einem 1896 imJahrbuch für die "Österreichische Gendarmerie" geschriebenen Artikel: ,,EinGehilfe des Gendarms".

Er sagte in diesem Artikel u.a. "Der Hund sollte vor allem ein treuer1 immer wachsamer, immer aufmerksamer Begleiter sein, der mit weit schärferen Sinnen als der Mensch ausgestattet, vielmehr wahrnimmt als dieser und ihn so auf Gefahren von Gegenständen, sowie auf viele andere Umstände aufmerksam machen kann, die der alleine übersehen hätte."

Im April 1899, kam der Polizeikommissar E. von Waesemael in Genf (Belgien) auf den Gedanken, den Nachtdienstbeamten Hunde mitzugeben.

Unabhängig von diesen Tatsachen wurde in unserem Lande der Polizeihund von dem damaligen Polizeikommissar Franz Laufer eingeführt. Laufer, ein gebürtiger Ostpreuße, hatte 1890 in der Stadt Schwelm die Leitung der Polizei übernommen. Er war ein Muster an Dienstauffassung, ein genauer Beobachter, ein schonungsloser Kritiker seiner Umwelt, was ihm naturgemäß wenig Sympathien einbrachte.

Es war also ein erhebliches Risiko, was da Laufer auf sich nahm, als er am 1.Oktober 1901 zum erstenmal in Schwelm einen Polizisten mit Hund auf die Straße schickte. 1902 kam es zu der Broschüre ,,Der Hund im Dienste der Polizei" im Selbstverlag des ,,SV" Auch eine erste Dressuranweisung war darin enthalten.

Bei der ersten Prüfung des PHV führte der Polizei-Sergeant Krone aus Schwelm die Dogge ,,Cäsar" vor, die eine vorzügliche Leistung bot.

Solche Prüfungen wurden jährlich mehrfach in anderen Städten, meist in Verbindung mit Ausstellungen, wiederholt. Die prämierten Hunde wurden in das Zuchtregister des Vereins eingetragen. So sollte ein konstanter Zuchtstamm für Polizeihunde geschaffen werden.

Der PHV besaß das Veröffentlichungsorgan ,,Der Polizeihund" Neben den Vereinsnachrichten,  den  Berichten  über  Prüfungen,  wurden polizeihundfachliche und kynologische Aufsätze veröffentlicht. Die Zeitung enthielt ferner Erfahrungsberichte von Polizei- und Diensthundeführern, kommentierte sie und erteilte Ratschläge zur Ausbildung.

Leider ging schon bald ein Riss durch den PHV Es gab Streitereien, die im Hundewesen keine Seltenheit sind, auch heute noch. Der 1. Vorsitzende des SV, Herr von Stephanitz, dem die Polizeihunde- bewegung sehr viel verdankt, trat aus dem Verein (PHV) aus, insbesondere deshalb, weil seiner Forderung, nur Schäferhunde im Polizeidienst zuzulassen, andere maßgebliche Mitglieder nicht zustimmen wollten, obwohl besonders der Schäferhund sich durch seine Eigenschaften schon damals sehr bewährt hatte.

Es sind aber auch noch persönliche Zwistigkeiten zwischen Henn von Stephanitz und dem PK Laufer gewesen - beides Herrschernaturen, die in einem Verein nebeneinander keinen Platz finden konnten. So verlief die Entwicklung des Hundewesens nebeneinander weiter, was mehr Schaden als Nutzen stiftete.

1904 erste PO         

Übrigens3 zur Entwicklung des Vereinswesens nach dem 2. Weltkrieg: Aus dem PHV wurde der ,,Deutsche Verband für Gebrauchshunde, DVG", ein rein sportorientierter Verein, so wie es der Schäferhundverein nach der Trennung seines Vorsitzenden vom PHV nicht geblieben ist.

Im DVG werden alle Gebrauchshundrassen geführt Den Verein bewegen weniger Zuchtinteressen, als die Leistungen der Hunde. Beide Vereine sind dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) angeschlossen.

Dieser Verband ist eine Nachfolgeorganisation des 1906 gegründeten Deutschen Kartells für das Hundewesen e. V. Zweck und Aufgabe dieses Verbandes ist, eine berufene Vertretung des gesamten  deutschen  Hundewesens  mit  den  Hauptaufgaben: Zusammenschließung sämtlicher Rassezuchtvereine, Gebrauchshundeverbänden, Förderung und Schutz des Deutschen Hundewesens, Vertretung der gemeinsamen Interessen, Austausch wissenschaftlicher Erfahrungen.

Ferner berät der VDH alle kynologischen Organisationen des In- und Auslandes, fördert und reguliert internationale Ausstellungen und Schauen und vergibt den Bundessiegertitel. Er fördert den Tierschutz unter besonderer Berücksichtigung des Hundewesens. Außerdem koordiniert er die Prüfungsordnungen für die Schutz- und Diensthund-Gebrauchshundrassen.

Zu erwähnen wäre noch, dass aus dem DVG, um die fünfziger Jahre, der Deutsche Schutzhundverein ,,DSV" in Essen abgespalten ist, der sich auch heute noch als Nachfolger des PHV verstanden wissen will, jedoch mit nur wenigen Ortsvereinen eine geringe Bedeutung hat.

Gründungsprotokoll des:
"Saarländischer Verband für Gebrauchshunde aller Rassen"

Niederschrift zur Gründungsversammlung am 08. Dezember 1951

Die Versammlung ist genehmigt von der Verwaltungspolizei der Stadt Neunkirchen, mit einer Bescheinigung vom 06.12.1951, welche zu den Akten genommen wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Philipp Recktenwald
25 Jahre Vorsitzender des LV Saarland

Anwesende

Herr Müller MV Neunkirchen
Herr Wingertszahn MV Neunkirchen
Herr Schwarz MV St. Wendel
Herr Ullrich MV Hühnerfeld
Herr Treitz MV Wellesweiler
Herr Hornberger für Schmitz MV Sulzbach

Um 19:30 Uhr eröffnet Kamerad Müller die Gründungsversammlung, heißt alle Vertreter der sich zusammenschließenden Vereine (Neunkirchen, St. Wendel, Hühnerfeld, Wellesweiler und Sulzbach) herzlich willkommen und dankt für das Erscheinen. Kamerad Müller leitet zur beabsichtigten, sehr notwendigen Gründung des "Saarländischen Verbandes für Gebrauchshunde aller Rassen" über und erteilt Kamerad Wingertszahn das Wort zur Verlesung der vorgeschlagenen Satzung. Die Satzung wird ohne Änderung einstimmig angenommen. Kamerad Müller bittet um Vorschläge zur Vorstandswahl und empfiehlt, den 1. und 2. Vorsitzenden und den Geschäftsführer mit Stimmzettel zu wählen. Dagegen können die 4 Beisitzer per Akklamation gewählt werden. Die Empfehlung wird angenommen. Kamerad Hornberger  bringt den Vorschlag ein, den Kameraden Müller zum 1. Vorsitzenden zu wählen. Weitere Vorschläge werden nicht eingebracht und man spricht durch eine einstimmige Wahl per Stimmzettel dem Kameraden Müller als 1. Vorsitzenden das Vertrauen aus. Kamerad Müller schlägt als 2. Vorsitzenden den Kameraden Schmitz vor. Kamerad  Treitz bittet, den Kameraden Schwarz als 2. Vorsitzenden berücksichtigen zu wollen. Kamerad Schwarz verzichtet, da er bereits als Beisitzer die Funktion des Pressewartes übernehmen soll. Die Abstimmung ergibt einstimmiges Vertrauen für den Kameraden Schmitz als 2. Vorsitzenden. Als Geschäftsführer wird Kamerad Wingertszahn vorgeschlagen und per Stimmzettel einstimmig angenommen. Die Beisitzer werden: 1. der Kamerad Schwarz, welcher den Kameraden  Strube jr. als eventuellen stellvertretenden Geschäftsführer empfiehlt, was auch angenommen und durch einstimmige Wahl  des Kameraden Strube jr. als 2. Beisitzer angenommen wird. Als 3. und 4. Beisitzer werden die Kameraden Ullrich und Treitz vorgeschlagen und einstimmig bestätigt. Kamerad Schwarz empfiehlt bekannt zu geben, dass der Geschäftsführer auch die Kassengeschäfte führt und legt Wert darauf, festzustellen, dass wir doch nur aus der Liebe zum Hund zusammen gefunden haben und nur das Ziel kennen, unserem Hundesport, also der Gebrauchshundezucht und Ausbildung zu dienen.
Die zum Vorstand gewählten Kameraden nehmen alle ihren Auftrag an. Der 1. Vorsitzende Müller dankt für das Vertrauen und glaubt zuversichtlich mit dem gewählten Vorstand ersprießliche Arbeit leisten zu können.

Die Versammlung wird gegen 20:30 Uhr geschlossen.

 

Stand: 13. Dezember 2009